KISTENSCHLEPPER Sladan Frick und Petro Bozanovic sind täglich mit dem Getränkeauto unterwegs

Wer schon einmal drei Getränkekisten in den Keller geschleppt hat, ist froh, wenn er es hinter sich hat. Dann ist für die nächsten zwei Wochen Ruhe - bis die Getränke aufgebraucht sind und neue hermüssen. Sladan Frick und Petro Bozanovic machen das jeden Tag. Mehrmals. Es ist ihr Job. Sie bedienen mit ihrem Getränkeservice zahlreiche Privatkunden, Unternehmen und Vereine. Die Brüder fahren die Kunden an und bringen die schweren Kisten an die Haustür, in den Keller, und wenn es sein muss, auch in den dritten Stock. Ein echter Knochenjob.

Um 8 Uhr morgens beginnt für Sladan und Petro der Arbeitstag. Im familieneigenen Betrieb in der Waldgartenstraße muss der Truck wie jeden Morgen beladen werden. An diesem Tag stapelt Petro, weiße Baseball-Cap, schwarzes Firmenshirt, die Kästen: Bier, Wasser, Cola - der 22-Jährige weiß, was die Kunden an diesem Tag kaufen wollen. Bruder und Hobby-Taubenzüchter Sladan, 26, blaue Baseball-Cap, ein Brilli in jedem Ohr, Goldkettchen, Drei-Tage-Bart, versorgt noch seine Vögel, bevor er lachend und gut gelaunt auf den Fahrersitz des vanillegelben Ivecos steigt. 20 Jahre und 253 000 Kilometer hat der 7,5-Tonner auf dem Buckel. „Das geht eigentlich noch“, sagt Sladan, schließlich sei der Lkw jeden Tag im Einsatz.

Die Dienstagstour startet gegen 9 Uhr. Sladan lenkt den Truck. Nur er hat den Führerschein dafür, Bruder Petro macht ihn gerade. Die beiden haben sich in dem Führerhaus eingelebt. Die Sitzpolster sind zerrissen, zwischen Armaturenbrett und Windschutzscheibe klemmen eine halbvolle Wasserflasche und zwei zerdrückte Red-Bull-Dosen. Ein Kofferradio ersetzt das nicht vorhandene Autoradio. Auf dem Boden steht eine Spardose in Form eines Fußballs. „Für das Trinkgeld“, erklärt Sladan.

Am Anfang des Tages geht es in die Bubenlache. Hier hat der „Getränkeservice Frick“ drei Privatkunden. Der erste hat kein Leergut vor der Tür stehen - ein Signal für die Brüder, dass dort heute keine Getränke gebraucht werden. Ein paar Meter weiter stoppt Sladan seinen Truck, Petro springt postwendend heraus und beginnt, die Kisten von der Ladefläche auf die Sackkarre zu laden. Die Sackkarre ist das einzige Hilfsmittel für die Bürstädter, die nur bei größeren Mengen zum Einsatz kommt. Das ist bei Käthe Wagner der Fall: zwei Kisten Grapefruitsaft, Wasser und ein Kasten Bier. Die Rentnerin aus der Bubenlache freut sich, wenn die zwei sympathischen Lieferer kommen. „Dieser Service ist super“, sagt Käthe Wagner, schon 30 Jahre nehme sie das Angebot wahr. Als Sladan kassieren will, sucht er vergeblich nach dem Geldbeutel. „Sag nicht, wir haben das Portemonnaie vergessen“, ruft er seinem Bruder zu. „Ich habe es nicht“, antwortet Petro. Ein Glück: Die Kundin hat es passend. Obendrauf gibt es ein kleines Trinkgeld. Das verschwindet sogleich in der Spardose auf dem Führerhausboden.

Die dritte Station in der Bubenlache führt zu einem Rentnerehepaar, das auf den Rollator angewiesen ist. Petro trägt zwei Kästen Wasser in den Keller, Sladan kassiert. Diesmal hat die Frau aber nur einen 50-Euro-Schein. „Ich kann nicht rausgeben“, sagt der 26-Jährige. „Wir regeln das nächste Woche.“ Man kennt sich. Man vertraut sich. Ein kurzer, aber herzlicher Abschiedsgruß, dann fahren die beiden zurück in die Waldgartenstraße - um das Portemonnaie zu holen.